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Wanderfahrt Neckar 2026

Eine heiße Ruderwanderfahrt am Neckar

8. bis 15. August 2026 – 12 RudererInnen, 2 Boote, 2 Radfahrerinnen, 15 Schleusen und Temperaturen, bei denen selbst der Neckar ins Schwitzen kam

Eigentlich war der Plan ganz einfach: Am 9. August in Marbach am Neckar ins Boot steigen, sechs Tage gemütlich flussabwärts rudern und schließlich in Mannheim ankommen. Ganz so einfach sollte es dann doch nicht werden. Denn eine Ruderwanderfahrt mit zwölf RudererInnen und zwei Radfahrerinnen ist schließlich kein Betriebsausflug mit festem Stundenplan – und schon gar nicht bei Tageshöchsttemperaturen von 33 bis 37 Grad.

Dass wir am Ende nicht Mannheim, sondern „nur“ Heidelberg erreichten, erwies sich als ausgesprochen weise Entscheidung. Aber dazu später mehr.

Auftakt in Marbach – und gleich Kultur

Unsere Reise begann am 8. August in Marbach am Neckar, der Stadt Friedrich Schillers. Beim Stadtspaziergang gab es historische Fachwerkhäuser, kleine Gassen und natürlich das Schillerhaus zu bewundern.

Noch waren alle frisch, motiviert und voller Tatendrang. Am Neckar war es herrlich: rudern, Landschaft genießen (steile Weinterrassen), Schleusen bewältigen – und zwischendurch feststellen, dass ein Schattenplatz das höchste der Gefühle ist.

Bad Wimpfen, Eberbach

In Bad Wimpfen stand eine Stadtführung auf dem Programm. Die mittelalterliche Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern, dem Blauen und Roten Turm und der ehemaligen Kaiserpfalz bot einen wunderbaren Kontrast zum Wasser. Die evangelische Stadtkirche und das ehemalige Heilig-Geist-Spital boten wenigstens für kurze Zeit erlösende Kühle. Bad Wimpfen hat uns sehr gefallen, nicht umsonst wurde diese Stadt im Vorjahr zur schönsten Altstadt Deutschlands gekürt.

Hinter Bad Wimpfen verengt sich das Neckartal. Der Fluss schlängelt sich durch den Odenwald. Zahlreiche Burgen und Schlösser, wie Burg Hornberg (Wohnsitz von Götz von Berlingen), Schloss Zwingenberg oder die Festung Hirschhorn säumen das Tal.

In Eberbach (Firmensitz der Bootswerft Empacher) nutzten wir die Gelegenheit zu einem Spaziergang durch die historische Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern.

Und natürlich ging es weiter: rudern mit vielen Burgen als Kulisse, schleusen, essen, lachen, schwitzen – und wieder rudern. Das Wetter blieb gnadenlos. 33 bis 37 Grad waren unser ständiger Begleiter. Immer wieder waren wir versucht, uns im Neckar abzukühlen. Leider wurde uns aufgrund der Wasserqualität davon abgeraten.

Der große Geschlechterkampf von Neckarsteinach

Unsere Organisatorin Britta hatte die gesamte Fahrt hervorragend vorbereitet und die tägliche Bootseinteilungen stets mit großem Geschick zusammengestellt. Nur einmal überließ sie die Mannschaftsbildung dem Schicksal: Jeder musste am Vorabend sein Boot mittels Karte ziehen.

Nicht alle waren mit ihrem gezogenen Schicksal zufrieden. Christian stellte dazu lapidar fest: „Es ist schon gut, wenn man die Bootseinteilung am Vortag erfährt, es macht gar nichts, wenn man deshalb nicht gut schlafen kann.“

Eine „glückliche“ Fügung bei der Ziehung ergab: am Vormittag 4 Männer und 1 Frau (Anna Maria) im Hans Andritz und 4 Frauen und 1 Mann (Helmut) in der Bechelarn. Nach Wechsel des Landdienstes saßen am Nachmittag je 5 Frauen und je 5 Männer in einem Boot.

Damit war die Geschlechtertrennung perfekt: ein reines Damenboot (Britta, Susi, Otti, Gudrun, Anna Maria) und ein reines Herrenboot (Peter, Berthold, Manfred, Walter, Christian). Und damit war auch der sportliche Ehrgeiz geweckt.

Die Damen gingen nach der Mittagspause zuerst aufs Wasser und ruderten flott dahin. Sie genossen die Ausfahrt und ständig fielen ihnen witzige Sprüche ein. So zB: „Die Susi ist super im Damenboot, dafür hatte der Manfred im anderen seine Not.“

Vor der Schleuse Neckargemünd hielten sie in Ufernähe unter einer schattigen Weide an und warteten, und warteten. Vom Herrenboot war weit und breit nichts zu sehen. Britta rief – wie üblich – den Schleusenwärter an und erklärte ihm: „Wissen Sie, wir sind ein Damenboot und das Herrenboot ist mindestens einen Kilometer hinter uns, keine Ahnung wie lange es noch dauert.“

Der Schleusenwärter amüsierte sich köstlich. Und die Damen natürlich auch.

Erst später erfuhren sie den Grund für das verspätete Eintreffen der Herren: Einer der Herren hatte es vor lauter Ehrgeiz, möglichst schnell aufs Wasser zu kommen, geschafft, ins Boot zu fallen und dabei den Rollwagen des Sitzes zu verbiegen. Walter musste das Malheur noch vor Ruderbeginn fachmännisch reparieren.

Die Damen nahmen diese Nachricht natürlich mit größtmöglicher Anteilnahme zur Kenntnis. Trotz „Gekudere“ ruderten die Damen bravourös und bewiesen ganz nebenbei, dass ein Damenboot nicht nur schön anzusehen ist, sondern auch ausgesprochen flott unterwegs sein kann.

Neckarsteinach war auch abseits des Wassers ein Höhepunkt. Bei der Vierburgenwanderung konnten wir die eindrucksvolle Burgenlandschaft erleben: Vorderburg, Mittelburg, Hinterburg und Schadeck (Schwalbennest)– vier Burgen auf engem Raum, dazu einzigartige Blicke über den Neckar und die angrenzende Landschaft.

15 Schleusen und ein dreifaches Hipp-hipp-hurra

Insgesamt warteten 15 Schleusen auf uns. Bei 14 Schleusen konnten wir mit den Booten durchfahren, nur bei der letzten war der Bootswagen erforderlich.

Unsere bewährte Tradition wurde selbstverständlich gepflegt: 13-mal bedankten wir uns beim Schleusenwart mit einem dreifachen: „Hipp-hipp-hurra!“

Nur in Neckargemünd (Damenboot und Herrenboot!) wurde daraus etwas Besonderes. Britta rief: „Die flotten Bienen bedanken sich beim Schleusenwart mit einem dreifachen Hipp-hipp-hurra!“

Der Schleusenwärter nahm es mit Humor – so ein lustiges Damenboot dürfte auch am Neckar nicht alltäglich sein.

Und dann waren da noch unsere Radfahrerinnen

Während wir uns auf dem Neckar vorwärts bewegten waren unsere beiden Radfahrerinnen, Birgit und Cornelia, auf den Radwegen unterwegs. Diese waren teilweise traumhaft schön, schattig und mit herrlichen Ausblicken auf Fluss und Landschaft, teilweise führten sie aber direkt neben der Hauptstraße entlang und waren entsprechend glühend heiß.

Und was entlang der Strecke fast noch schlimmer war: Kaffeehäuser waren Mangelware. Erst am vorletzten Tag gab es endlich die Gelegenheit zu einer richtigen Kaffeepause – gewissermaßen als Geburtstagsgeschenk für Cornelia.

Geselligkeit – schließlich waren wir nicht nur zum Rudern da

Eine Ruderwanderfahrt besteht bekanntlich aus vier wichtigen Elementen: Rudern, Essen, Trinken und Geselligkeit. Die Reihenfolge darf variieren.

Für die musikalische Unterhaltung sorgte Manfred, der seine Gitarre mitgebracht hatte und uns an einem Abend mit seinen Gstanzln köstlich unterhielt. Kaum ein Erlebnis vergangener Wanderfahrten blieb unkommentiert, und manches bekam durch ein spontanes Gstanzl erst die richtige Würze.

Birgit hatte außerdem ein Liederheft zusammengestellt und begleitete unseren mehr oder weniger professionellen, aber stets enthusiastischen Gesang auf der Gitarre.

Unser Lied-Repertoire reichte von „Take me home, Country Roads“ über „Griechischer Wein“ und „House of the Rising Sun“ bis zu „Morning has broken“, „Rote Lippen soll man küssen“, „Memories of Heidelberg“ und „Im Tröpferlbad“.

Und natürlich wurde jede Gelegenheit zum Feiern genutzt. Da war zunächst Cornelias Geburtstag. Und dann war da noch Bertholds Kapperl.

Ein Kapperl, 14 Ruderer und ein Ouzo

Berthold hatte sein Kapperl am vorletzten Abend beim Griechen vergessen. Ein anderer hätte vielleicht gesagt: „Schade, weg ist weg.“ Nicht so eine Ruderwandergruppe. Am nächsten Tag machten sich alle 14 auf den Weg, um das Kapperl wiederzuholen. Das Wiederfinden wurde entsprechend gefeiert – natürlich mit Ouzo.

Überhaupt wurde auf der Ruderwanderfahrt einiges vergessen. Umso dankbarer waren wir, dass Britta – wie bei jeder Wanderfahrt – Leibchen besorgt hatte, die mit Namen versehen waren.

Heidelberg – das Ende mit Hindernissen

Ursprünglich wollten wir bis Mannheim weiterrudern, geträumt haben wir sogar von der Rheinmündung. Doch nach der letzten Schleuse zeigte sich der Neckar von einer Seite, die uns zum Umdenken brachte: Das Flussbett war halb ausgetrocknet und voller Schlamm. Die Entscheidung, in Heidelberg Schluss zu machen, war goldrichtig.

Zum Abschluss unserer Wanderfahrt wurden wir mit einem liebevoll vorbereiteten Sektempfang begrüßt. Ute hatte einen Willkommensbanner gestaltet. Zum Sekt gab es Brezen und Wassermelone. Köstlich!

Außerdem lernten wir am Ende noch das polnische Bootputzen kennen, eine besondere Technik, die uns Otti und Christian zeigten: Wasser ins Boot schütten und anschließend das Boot vom Bug zum Heck mehrmals kräftig hin und her schwenken. Es sieht lustig aus. Es ist lustig. Und – überraschenderweise – erleichtert es tatsächlich das Putzen.

Beim abschließenden Stadtspaziergang in der berühmten Universitätsstadt Heidelberg konnten wir die Altstadt, die Hauptstraße, die Alte Brücke und den Blick hinauf zum Heidelberger Schloss genießen.

Resümee

Schön war das Rudern. Schön war das Essen. Schön waren die Orte und Landschaften. Und schön war vor allem, dass wir all die Erlebnisse miteinander teilen konnten.

Wir haben 15 Schleusen bewältigt, Hitze und fehlende Kaffeehäuser überstanden, Kapperl gerettet, einen Rollwagen repariert, am 12. August die Sonnenfinsternis beobachtet, viel gerudert, gesungen und sehr viel gelacht.

Manfred hat uns allen ein selbst erstelltes Kochbuch geschenkt und wir hatten drei wunderschöne Quartiere: Das erste in Lauffen mitten im Weingarten, mit einer gemütlichen Hofterrasse für unseren Gstanzl- und Singabend, das zweite Quartier in Bad Wimpfen mitten im Ort, ganz stilecht in einem Fachwerkbau, mit ganz viel steilen Stufen und tollem Frühstück und das dritte Quartier am Rande von Heidelberg mit guten Lokalen in nächster Nähe.

Peter und Walter haben den Boots- und Mannschaftstransport von Pöchlarn nach Marbach am Neckar und zurück souverän durchgeführt. Beide hatten persönliche Navi-Assistentinnen, Britta und Gudrun, die viel zur schnellen und sicheren An- und Heimreise beitrugen.

In Anlehnung an die erste Strophe vom Tröpferlbad ist zu dieser Wanderfahrt festzuhalten: „Dass Sie do net dabei woan, des is schod, schod, schod, schod, schod.“

Bericht: Anna Maria Nocker

weitere Fotos folgen noch!