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15.6.2014 Sail and Row 2014

Sail and Row in Kroatien – Der 3-M-Kornaten-Report 2014

Womit fange ich am besten an? Mit dem Michl K. aus Gmunden. Wer ihn kennt, weiß,
dass er oft mit Aktionen überrascht, die einfach anders sind (ich denk da an die Erstbefahrungen von Flüssen oder Raftingtouren oder auch die Weißenseewochen).

So ergab es sich, dass er mich noch im vergangenen Jahr fragte, ob ich mir einen Segel-Törn kombiniert mit Rudern vorstellen kann. Wo denn? Na, in Kroatien, genau
in der KORNATEN-Inselgruppe. Leben auf einer Segelyacht und Rudern? Eh klar!
Meine Segelerfahrungen beschränkten sich bis jetzt nur auf eine Fahrt mit einem FD, aber neugierig war ich schon geworden und sagte für uns beide (Hansi + mich) zu. Der Termin, die 2. Juniwoche 2014, rückte näher und so ging es weiter: 

Freitag, 6.6. 
24h Abfahrt in Pöchlarn in zwei VW-MULTIVAN und Bootshänger (1/C-4x + und 1/C-2x +), sowie Michl & Dorli, Peter & Britta, Christian & Otti, Berthold & Inge (alle RV Pöchlarn), Reinhard & Hansi (ISTER). Den slowenischen Pickerl- Wucher haben wir ein Schnippchen geschlagen. Es waren ca. 780 km zu fahren bis
Samstag, 7.6. 
9 30h in SKRADIN, Boote montieren > ab zu den KRKA-Wasserfällen, Michl und Berti > nach MURTER in die Marina > Übernahme der Yacht ATOLL 6, „THE BIG ONE“ mit den TD: l>15,25 m, b>5 m, Tiefgang 1,8 m, 118 qm Segelfläche, Motor > 85 PS, Kombüse und Cockpit (mit Navitisch), 6/Doppelkabinen, 4/Duschkabinen, 2/versenkte Kühltruhen, abklappbares Heck (und ein KLABAUTERMANN > KBM)!
KBM: Da übernahmen doch zwei etwas ältere Typen mein Schiff und schleppten
sich beinah zu Tode, um das Gepäck der Crew in die Stauräume zu bringen. Unser Skipper, er passte wohl haarscharf zum Schiffsnamen, und sein erster Maat konnten, so sah ich es, auf einige Segelerfahrung zurückgreifen. Ich erwartete also sehr beruhigt alles das, was da noch kommen sollte.
KRKA-Wasserfälle: Hinrudern – ja,(2,5 km.) anlegen dürfen – nein, also retour und mit dem „Großschiff“ wieder hin > Rundwanderung um die Wasserfälle, das war einmalig. Unser Tagesziel in SIBENIK, > ca. 25 km auf der KRKA rudern und das eher bei Segelwind > Hafen um ca. 19 h erreicht und um 20h lief die Yacht mit Michl und Berti (und dem KBM ein).
KBM: Müde, aber froh, enterte die Crew mein Schiff und das Erste war? Meinem Freund NEPTUN wurde ein Glas Sekt geopfert und mir? Denkste! Die kleine Rache folgte offensichtlich auf dem Fuße – auf der Suche nach Nahrung machten alle einen sehr langen Landgang, samt Altstadtbegehung, bis ein Restaurant gefunden wurde.
Sonntag, 8.6. 
> Insel ZIRJE > in ca. 28 km > auf ruhigem Wasser die Bucht am frühen Nachmit-tag erreicht (vorgesehen war, dass acht rudern und zwei auf der Yacht „Dienst tun“), Ein „Dreier-Wind“ kam auf! > Segeln? Nein > Molenplatz wäre sonst weg! Traumhafte Abendstimmung nach einer „Bergwanderung“ mit 120 Höhenmetern! Wunderschönen Sonnenuntergang in den Kornaten mit Campari und GV genossen.
KBM: Kaum angelegt und Ruderboote versorgt erwartete alle ein Meerjuice und wieder ein Opfer nur für Neptun! Ja und dann – es ging alles sehr schnell – hüpften alle – splitterfasernackt, versteht sich – ins Meer, auch um zu schwimmen und zu schnor-cheln. Erstaunlich, was sie da alles entdeckten: Seesterne, Seeigel, Seegurken (da stellte ein weibliches Crewmitglied doch tatsächlich die Frage, welche Konsistenz diese denn haben? Antwort: Dann greifst sie halt an! Was sie nicht tat), Muscheln und eben auch Fische.
Noch was? Geduscht wurde nicht in den Kabinen, sondern auf dem Heck mit einem kleinen Brauseschlauch und Kaltwasser. Und die „Biltsch“ oder „Bilge“ = Abwasser-tank, füllte sich daher nur langsam. In der Kombüse war immer was los – keiner musste verdursten oder Hunger leiden . Anstatt eines Smutje´s gab´s deren mehrere und die verdarben keineswegs den Brei. Reinhard übernahm – nachdem er im Bootsmannsstuhl am Mast hochgehievt worden und wieder unten war (Britta machte es ihm gleich nach) – die Bootswache, während der Rest wanderte. Die erste Möve „Jonathan“ ließ sich sehen und füttern.
Montag, 9.6.
> FRULJE auf KORNAT > ca. 32 km. Anfangs bei Wind und Wellen. Jedoch nach dem 2 Frühstück in den Eingang der Kornaten ruhiges glattes Ruderwasser. Kurz vor dem Ziel machten wir einen Badestopp in der Bucht „Lavsa“ 23 Grad Wassertemperatur, baden, trinken… um 14 h alle in Frulje eingelangt > reservierter Liegeplatz > „Dreierwind“ und > „fertig zum Ablegen“ und segeln > Leuchtturm in Sastrica samt Inselumrundung und > zurück nach Frulje > Top-Fischrestaurant offen und der Markt? Von 0 – 24h geschlossen!
KBM: Die Begeisterung nach einer Delphinsichtung war riesig – der Badespaß in den Badebuchten auch, und? Ein Motorboot mit zwei Mann legte längsseits an, weil da im Nationalpark KORNATEN wird kassiert. Michl, der Skipper, hatte samt beiden Vize-Skippern Christian und Berti, sowohl beim Anlegen in Frulje alles bestens im Griff, („gib de Muring auffa“ – hä? – Muring = dauerhaft installierte Vorrichtung von Trossen zum Festmachen von Schiffen, Spring = Festmacher, der vom Bug nach achtern oder vom Heck nach vorn gespannt wird,). Das gleiche galt auch für´s Segeln („Genua = nicht die Stadt, sondern das Vorsegel, Tampen = kräftiges Tau-werk, Spion = an der Mastspitze befestigt und gibt brauchbare Segelwind-Infos usw.) Das war für mich sehr beruhigend. Die restliche Crew lernte sehr schnell sehr viel „Segeln“ dazu. 
Dienstag, 10.6. (aufgewacht durch eindringliche Eselsweckrufe)
> SALI (Fischerdorf und Fischindustrie) auf DUGI OTOK > in ca. 26 km > der große Hafen war voll belegt (Segelregatta!), > einheimisches Restaurant, ein Markt zum Vorräte bunkern > abendlicher Rundgang durch SALI 
KBM: Die Manöver in den Badebuchten erstaunten mich immer wieder – z.B. die Funktion der „schwimmfähigen Wasserschi-Leine“ zum Verheften der Ruderboote an der Yacht oder das Aussteigen der Ruder-Teams an der Heckklappe. An dem Abend war ich mit Michl allein auf der Yacht. Er äußerte sich in jeder Hinsicht sehr zufrieden mit dem bisherigen Verlauf.
Mittwoch, 11.6.
> ZADAR (Festland) > ca. 28 km. Bis zur Zredlac- Passage aalglattes Meer und traumhaftes Rudern. Nach dem obligaten 2 Frühstück durch die Zredlac-Passage (Brücke zu niedrig > Mast zu hoch) > unser „Großschiff“ musste die Insel UGLJAN umfahren > Kurs NNW 340 Grad zum Festland bei Wind und Wellen (beides gut spürbar) > Einfahrt Hafen zwischen großen Fährschiffen und noch größeren Yachten > Landung beim Ruderclub > Bootshaus im „1. Stock“ über Rampe > Abgang mit Scherengitter abge-sperrt > Clubnummer angerufen > Mitglied eilte herbei > zeigte uns das große Boots-haus, sowie den beeindruckenden Bootsbestand und entließ uns zur Marina ZADAR. Etwa zwei Stunden später erscheint unser Schiff > anlegen und verheften > Land-gang zu einem Spitzenlokal (incl. streifendes Gewitter) > abends durch die Altstadt von ZADAR
KBM: Tolle Leistung des „Segel-Duos“ – in dem vollen Hafen so zu manövrieren –
Hut ab (habe aber keinen). Eine weitere Yacht mit weiblicher Besatzung tat sich da schon etwas schwerer – besonders beim Anlegen – Michls emanzenfreundliche Äußerung gebe ich hier nicht wieder. Geht’s mir da gut? Weil von „Klabauterfrauen“ hab ich noch nichts vernommen
Donnerstag, 12.6. (nach dem 6h-Frühmarktbesuch)
> Zurück zur Zdrelac-Passage > südlich entlang der PASMAN-Insel > weiter bis SV-ANTE-Bucht > ca. 26 km (+ 4 km – N- und S-Teil). Etwas ratlos (weil Michl wegen des „Umweges“ noch nicht da war) > die Buchten ausgerudert > in der N-Bucht zu warten, war richtig. 
KBM: Die Yacht wurde am Bojenanker gesichert, der Vierer legte an. Die drei vom Zweier ruderten jedoch zum Land, versorgten das Boot und mit dem Bootssack auf dem Kopf schwammen sie zu uns. Wieder war für alle baden, tauchen und ähnliches angesagt. Möve KARL I. leistete bettelnd Gesellschaft – der Dank artete als „Mövenklacks“ auf dem Vierer aus. Für Zahlmeister Christian (ja, den gabs auch auf dem Schiff) war die Liegegebühr zu be“kuna“n. Die etwas eigene Idee Michls, auf dem Segler ein „Ruderposing“ zu veranstalten, ist auf den Fotos dokumentiert. Das entfernte Gewitter samt Wetterleuchten konnte keinen erschüttern – auch nicht die leidenschaftlich spielenden „BACK-GAMMON-Akteure
Freitag, 13.6.
> Insel MURTER > ca. 28 km zur Marina BETINA (Ziel) > bis 10 h ganz ruhiges Wasser > danach Wind und unangenehme Wellen (Schiffe und Motorboote) > für einige Ruderhintern war es schon grenzwertig > eine geeignete Aushebestelle finden > Boote reinigen und transportgerecht bereitlegen. Michl und Berti mussten
„The Big One“ volltanken > zur Marina fahren > die Busse samt Hänger holen. Wir trafen einander im Zentrum von BETINA > vorzugsweise bei Eis, Kaffee und Bier wieder > Ruderboote aufmontieren > Busse in derMarina abstellen > die letzte Yacht-Nacht stand bevor
KBM: Ich wartete schon auf meine Mannschaft. Kaum waren alle da, fing ein reges Treiben an, – so richtig ungemütlich – aber es musste gepackt und alles in den Autos verstaut werden – und dann? Ließen sie mich wieder allein, samt Unwetter-warnung – nur weil ein Restaurant für den Abschiedsabend auf sie wartete. Ich hatte mich schon sehr gut an diese komischen Österreicher mit dem Ruderspleen gewohnt. Bloß, dass sie NUR dem NEPTUN ihr Opfer brachten, das tat ein wenig weh!


Samstag, 14.6.
> Rückfahrt nach Bechelaren > Start um 9h > gewaltige Regenmengen ergossen sich lange Zeit auf unsere Fahrzeuge > ab Slowenien wieder Sonne > um 18 h beim Bootshaus eingelangt > alles bestens gelaufen (oder gefahren)


Schlussgedanken:
Die Kornaten-Gruppe kann nur schwer beschrieben (außer in Katalogform), besser aber fotografisch festgehalten oder eben erlebt werden. Unsere beiden Bordfoto-grafen Britta und Michl taten nicht nur dies, sondern verewigten viele, viele Ein-drücke auf diese Art.
Was Planung und Durchführung dieser Tour betrifft – übrigens in der Art erst-malig und eine mögliche neue „Marktidee“ – das war einfach faszinierend. Angefangen von einer sehr detaillierten Doku (Text mit Google-Earth-Bildern) für jedes Boot, waren auch die Tagesetappen gut bewältigbar. Michls Freude, dass das alles, so wie geplant, „gelaufen“ ist und alle gesund nach Hause kamen, brachte er deutlich zum Ausdruck. Ebenso die Begeisterung über die „ATOLL 6“ – sie entsprach allen Belangen. Die Annahme, dass am Vormittag mit eher wenig Wind das Rudern durchaus machbar ist, bestätigte sich fast immer. Der Nachteil war außerhalb des Planbaren – der Wind an den Nachmittagen ließ nur einmal richtiges Segeln „mit voller Wäsche“ zu. Das tat aber der Freude keinen Abbruch. Ganz wichtig aber war die Stimmung während der Tour – die war locker,sehr harmonisch, vergnügt und mit originellen Sprüchen garniert – außer wenn der Skipper ernst genommen werden musste – daher nahm ein tolles Abenteuer unbeschadet ein schönes Ende. Im Titel war von „3-M“ die Rede – und das traf voll zu: „MICHL MACHTS MÖGLICH“ – DANKE und AHOI!

Reinhard Resch samt Klabautermann

1. PS.: Das „i-Tüpferl“ für einen Teil der Crew waren die anschließenden Weißensee-
Tage
2. PS: Das ruderische „Sahnehäubchen“ für Hansi und mich unmittelbar danach war
die Zweierfahrt nach Bamberg auf dem RMD-Kanal. Aber das ist eine andere
Geschichte 

Bericht von Michl Kaltenbrunner